{"id":580,"date":"2004-12-20T10:39:19","date_gmt":"2004-12-20T09:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alexandra-kuba.at\/wordpress\/?p=580"},"modified":"2010-12-28T08:36:02","modified_gmt":"2010-12-28T07:36:02","slug":"schutzengel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alexandra-kuba.at\/wordpress\/2004\/12\/20\/schutzengel\/","title":{"rendered":"Schutzengel"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"447\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"28\" valign=\"top\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"419\" valign=\"top\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"28\" valign=\"top\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"419\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Grau &#8211; grau, so bot sich dem griesgr\u00e4migen, alten Mann der Blick aus dem verdreckten Fenster seiner Einzimmerwohnung. Es ist Ende Herbst und dichter Nebel liegt \u00fcber der Stadt.<br \/>\nDrau\u00dfen ist es kalt, der eisige Wind pfeift durch die kaputten Fenster &#8211; er friert in dem kalten Zimmer,<br \/>\n&#8222;wenigstens stinkt es nicht so stark, wenn die Nase kalt ist&#8220; dachte er sich immer, \u00fcber seine im M\u00fcll erstickende Wohnung. Ein pures Chaos; ein Abbild seines Lebens.<br \/>\nAlle Erinnerungen an l\u00e4ngst vergangene Tage.<br \/>\nEr nimmt eine Plastiktasche und setzt sich nieder um zu sehen was sich darin versteckt, denn hie und da f\u00e4llt ein Stapel um und weckt dann so manche Erinnerung. Jetzt erst hat er Zeit, um \u00fcber sein Leben nachzudenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat selten die Ratschl\u00e4ge anderer angenommen. Schon gar nicht die, die wichtig waren und den Nagel auf den Kopf trafen. Er wusste immer alles besser. Er freute sich zeit seines Lebens auf den heutigen, ersten Tag seiner Pension, dann ist er endlich dem Beruf entflohen, den er so hasste. Das verursachte permanenten Stress. Er rechtfertigte es immer mit dem Verdienst. dabei h\u00e4tte er es in der Hand gehabt, seine Einstellung zu \u00e4ndern oder sich seinen Begabungen zu widmen. Stattdessen zog er seine Linie durch, hatte mehr Stress, verdiente mehr Geld und gab um so mehr aus. Jetzt hat er nichts mehr davon, au\u00dfer seiner Krankheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als er etwas weiches in der Tasche ertastet, wird dem glatzk\u00f6pfigen, gebrechlichen Mann pl\u00f6tzlich warm ums Herz.<br \/>\nEr glaubte ein Relikt einer alten Liebe in H\u00e4nden zu halten &#8211; die Erinnerungen sind verschwommen.<br \/>\nEs ist eine seiner drei wirklichen Lieben, die alle an seiner undurchdringlichen Mauer scheiterten.<br \/>\nEr hatte sie vor seinen Gef\u00fchlen errichtet, um seiner Rolle immer gerecht werden zu k\u00f6nnen, die er allen vorgespielt hat.<br \/>\nEr hatte viele Freunde, viele sieht er nicht mehr. Sie haben alle Familie und da f\u00fchlt er sich als notgedrungener Einzelg\u00e4nger nicht wohl. Zwei Freunde hatten ihn schon immer durchschaut und hielten dennoch zu ihm, weil sie sein weiches Herz erkannten.<br \/>\nDarunter auch sie, ihr geh\u00f6rt der Inhalt der Plastiktasche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war eine sch\u00f6ne Zeit. Sie erf\u00fcllte alles, was er sich immer von einer Partnerin gew\u00fcnscht hatte. Er beneidete sie sogar um ihren Beruf. Sie war eine offenherzige, liebe und starke Pers\u00f6nlichkeit mit einem engelhaften Aussehen.<br \/>\nF\u00fcr ihn ging sie nicht, sonder sie schwebte immer.<br \/>\nJe mehr er sie liebte umso gr\u00f6\u00dfer wurde die Angst, dass er sie verlieren k\u00f6nnte.<br \/>\nIn Wirklichkeit hatte er Angst sie k\u00f6nnte seine Mauer zerst\u00f6ren, denn sie hatte die F\u00e4higkeit, Fragen zu stellen!<br \/>\nFragen, die auch er immer seinen Freunden gestellt hat, um ihnen beim Nachdenken zu helfen.<br \/>\nDoch er erkennt erst jetzt, dass sie die gleiche Gabe hatte. Ihm l\u00e4uft es kalt \u00fcber den R\u00fccken bei dem Gedanken sie k\u00f6nne recht haben.<br \/>\nEr versucht sich zu erinnern.<br \/>\nDas Erste was ihm einf\u00e4llt ist die Trennung. Wie immer verlie\u00df auch sie ihn und er hatte wieder recht bekommen. So dachte er immer, denn er konnte doch niemals Schuld haben. Dabei hat sie alles versucht um ihn wach zu r\u00fctteln. Doch er empfand die Fragen als Angriff auf sich und nicht als Rettungsring. Somit blockierte er und h\u00f6rte nicht zu. Er verstand sie nicht, weil die Ebene, die sie benutze, eine emotionale war. Er erkannte die Worte, doch verstand den Sinn nicht.<br \/>\nEr gab ihr alles, doch es war nicht genug. Seine Gaben kamen zwar von Herzen, aber mit seinen Gef\u00fchlen blieb er hinterm Berg.<\/p>\n<p>Da schoss ihm eine Zeile durch den Kopf, die sie an ihn gerichtet hatte:<br \/>\nK\u00f6nnte es sein, dass sie ihn schon immer durchschaut hatte?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist so! &#8211; entsetzt starrt er aus dem Fenster.<br \/>\nEr beginnt die Wahrheit zu erkennen. &#8222;Warum ist mir das nicht schon l\u00e4nger aufgefallen?&#8220;<br \/>\nWas h\u00e4tte er nicht alles anders gemacht. Nur mal \u00fcber seine Gef\u00fchle mit ihr zu sprechen, statt sich nach der Trennung nicht mehr zu melden. Darauf h\u00e4tte sie immer gehofft. So etwas machte er nie! Keine Briefe oder Gedichte wollte er verfassen. Seine S\u00fc\u00dfe gab ihren Gef\u00fchlen hingegen freie Hand.<br \/>\nEr las nur eines ihrer Gedichte, die vor seiner Zeit entstanden sind. Diese Zeilen ber\u00fchrten ihn, jedoch nicht freudig!<br \/>\nEs war f\u00fcr ihn ein ohnm\u00e4chtig f\u00fchlendes Gedicht. Er konnte den Schmerz f\u00fchlen, den sie damals erlitten hatte. Das machte ihn auch traurig und das wollte er nicht, denn er war es in Wirklichkeit immer!<br \/>\nTraurig dar\u00fcber versagt zu haben. Doch dieses Eingest\u00e4ndnis k\u00f6nnte er sich nie machen &#8211; er sah es nicht!<br \/>\nSo sehr hatte ihn seine Rolle schon eingenommen. Und jetzt dieses Gef\u00fchl der Erkenntnis. Seine Kleine wartete all die Jahre vergebens auf einen Funken des Verstehens von ihm.<br \/>\nJetzt ist sie unerreichbar f\u00fcr ihn geworden. Sie hat ihr Gl\u00fcck gefunden. Es war nicht leicht damals und sie trennten sich sogar einmal. Sie blieb ihm sogar in der Trennung treu, denn ihr jetziger Mann hatte ihr zugeh\u00f6rt und zeigte es ihr auch, bis sie schlie\u00dflich das wurden, was der Alte sich immer gew\u00fcnscht hat.<br \/>\nIhr Mann hatte sich helfen lassen, ordnete sein Leben neu und wurde gl\u00fccklicher. Dazu nahm er sogar Therapiestunden an.<br \/>\nOb er es damals selber erkannt hat oder nicht, bleibt f\u00fcr den alten Single ein R\u00e4tsel. Aber er wei\u00df jetzt, er w\u00fcrde jetzt das selbe tun! Doch damals zeigte er keinerlei Einsicht oder Verst\u00e4ndnis. Dabei hatte er sie und die L\u00f6sung immer vor seinen Augen.<br \/>\n&#8222;Ich h\u00e4tte sie nur fragen m\u00fcssen, ob sie mir beistehen w\u00fcrde und mir hilft mein Leben mit ihr in Einklang zu bringen!&#8220; dachte er sich. Er wei\u00df jetzt, dass er nur kurz \u00fcber ihre Worte nachdenken h\u00e4tte m\u00fcssen, stattdessen hat er alles zerpfl\u00fcckt und analysiert was sie gesagt hat &#8211; sie hatte so recht!<br \/>\nEr wird traurig unter der Last der Erkenntnis, dass sein Leben h\u00e4tte gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen. Sie war und ist seine einzige wahre Liebe, die ihn auch geliebt hat. Diese Beziehung h\u00e4tte ihm alles geben k\u00f6nnen und er h\u00e4tte alles geben sollen, das wird ihm heute erst klar.<\/p>\n<p>Doch jetzt ist es zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eingeh\u00fcllt in eine sch\u00e4bige, verfilzte Decke, die er sich als Erinnerung an seine zwei Katzen aufgehoben hat, zittert er zusammengekauert vor dem kalten Ofen und weint bitterlich &#8211; fest umklammert h\u00e4lt er zwei neue blaue Fliespantoffeln.<br \/>\n&#8222;Ich wei\u00df, dass du mein Schutzengel warst&#8220;, war sein letzter Gedanke, dann schlief er vor Ersch\u00f6pfung ein.<\/p>\n<p>\u00a9 ein Freund_2004_A<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"28\" valign=\"top\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"419\" valign=\"top\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"28\" valign=\"top\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"419\" valign=\"top\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u00a0 \u00a0 Grau &#8211; grau, so bot sich dem griesgr\u00e4migen, alten Mann der Blick aus dem verdreckten Fenster seiner Einzimmerwohnung. 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