{"id":1005,"date":"2020-02-04T18:37:37","date_gmt":"2020-02-04T17:37:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alexandra-kuba.at\/wordpress\/?p=1005"},"modified":"2020-02-04T19:27:12","modified_gmt":"2020-02-04T18:27:12","slug":"die-geschichte-meiner-kranken-gedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alexandra-kuba.at\/wordpress\/2020\/02\/04\/die-geschichte-meiner-kranken-gedanken\/","title":{"rendered":"Die Geschichte meiner kranken Gedanken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Bin noch nicht zu alt, zweifelsohne, trotzdem kann ich das Gef\u00fchl nicht verdr\u00e4ngen, so leer gelebt zu sein. Hatte gro\u00dfe Tr\u00e4ume, die wundersch\u00f6nsten Tr\u00e4ume von der Liebe und vom Gl\u00fccklich sein. Doch all das, was mir jetzt geblieben ist, ist die Angst vor dem Hoffen, weil es jedes Mal das gleiche Ende gibt. Muss wohl einfach nicht daf\u00fcr geboren sein, geliebt zu werden. Dabei ist es das Einzige was ich kann, Liebe zu schenken und es ist auch das einzige, was ich will. F\u00fchle mich wie ein Mensch, dessen Leidenschaft das Singen ist, und dem die Sprache beraubt wurde &#8211; oder wie eine allzu vorsichtige Mutter, der das Kind trotz dessen weggelaufen ist, direkt vor ein Auto.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilflos, habe Angst vor jeder Bewegung, die mich weiter an den Abgrund meines Selbstmitleids treibt. Habe ich Selbstmitleid? &#8211; es ist wohl so!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob es berechtigt ist oder nicht, kann ich nicht einsch\u00e4tzen, sp\u00fcre nur, wie es weh tut, tief in mir drin. Das Gef\u00fchl im Herzen, etwas zu f\u00fchlen und es doch eigentlich nicht zu d\u00fcrfen, ist wie ein Bohrer, der immer sch\u00f6n abwechselnd nach rechts und links bohrt und immer weiter rein, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, langsam aber stetig. Dabei w\u00fcnsche ich mir nichts mehr, als zu lieben und geliebt zu werden. Mittlerweile w\u00fcrde ich alles daf\u00fcr tun, denn, dass ist es, was mein Leben erst lebenswert machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Habe oft nach Schuldigen gesucht, aber nie einen anderen als mich selbst gefunden. Wahrscheinlich f\u00fchle ich zu viel und liebe zu stark, so wurde es mir gesagt, und, so ist es wohl auch. Alle nannten es \u201eEinengen\u201c, f\u00fcr mich war es grenzenlose Liebe. Jeder Wunsch, auch jeder Traum erschien mir nicht unerf\u00fcllbar, ebenso ist es der gr\u00f6\u00dfte Unfug, alles zu verzeihen, alles zu ertragen, ich h\u00e4tte alles getan&#8230;<br \/>\nWollte doch nur lieben und liebe auch heute noch &#8211; viel zu sehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hatte schon immer den siebten Sinn daf\u00fcr, mir die Falschen auszusuchen. Die, die mich nie lieben k\u00f6nnen, oder sind einfach nur alle falsch f\u00fcr mich? &#8222;Jedes T\u00f6pfchen hat sein Deckelchen&#8220;, beruhigt mich schon lange nicht mehr. Wie auch, wenn man zweimal den Himmel auf Erden vor seinen Augen hatte und einem nie gew\u00e4hrt wurde, ihn zu betreten. Durfte das Paradies hinter diesem Tor erblicken und meine Hand hindurch strecken, doch mehr!?, nein, mehr war nicht gestattet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sitze ich weiterhin an meinem Bahnhof und warte auf den Zug ins Gl\u00fcck. Es fahren viele Z\u00fcge vorbei und wenn ich hinein blicke, sehe ich, die lachenden Leute, die sich lieben &#8211; die gl\u00fccklich und zufrieden sind. Bilde mir ein, dass es ihnen Spa\u00df macht \u00fcber mich zu tuscheln, mich dort sitzen zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das, was am meisten weh tut ist die Tatsache, dass ich nur leere B\u00e4nke sehe, egal wohin ich schaue. F\u00fchle mich wie ein Vergessener zwischen den Welten. Der einen Welt, voller Realit\u00e4t und der, in der das Tr\u00e4umen z\u00e4hlt. Warum haben andere den Weg daraus gefunden, warum nicht ich? Was mache ich falsch? Wieso habe ich die Liebe nicht verdient?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehne mich so sehr danach, jemandem zu sagen, wie sehr ich ihn liebe. M\u00f6chte das verliebte Glitzern meiner Augen zeigen und in des anderen Augen den Wunsch sehen zu d\u00fcrfen mich zu begehren. Aber ich f\u00fchle mich wie im falschen Film &#8230; eigentlich wollte ich in einen Liebesfilm, der voller Kitsch trieft &#8211; doch irgendwie bin ich in einer beschissenen Kom\u00f6die gelandet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alles macht mich traurig, doch viel mehr packt mich das Gef\u00fchl von Wut, Wut dar\u00fcber, machtlos zusehen zu m\u00fcssen, erb\u00e4rmlich dazustehen und zu warten, l\u00e4cherlich voller Liebe zu sein, sich danach zu sehnen, eine Hand auf den Wangen zu f\u00fchlen, die Lippen eines anderen k\u00fcssen zu d\u00fcrfen und mir zu w\u00fcnschen, \u201eich liebe Dich\u201c ins Ohr gefl\u00fcstert zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind doch nur Momente des Gl\u00fccks, egal ob sie erlogen sind oder nicht. Will aber nichts von meiner Naivit\u00e4t wissen, will mich in Utopien laben, von mir aus auch an erlogenen W\u00f6rtern ersticken, nur nichts von der L\u00fcge. Lange hatte ich gedacht, Schweigen w\u00fcrde mir die Wahrheit verh\u00fcllen; einfach nicht hinsehen, zu dem, was offensichtlich ist. Aber es war falsch, weil die Entt\u00e4uschung so auf sanften Pfoten herangeschlichen war und die Hoffnung letztlich qualvoll erstickt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Reden ist nicht richtig, in meiner Verbohrtheit suche ich nach jeder Nadel im Heuhaufen \u2013 und werde f\u00fcndig, drehe jedes Wort herum, das es vielleicht eine positive Bedeutung haben k\u00f6nnte. Das l\u00e4uft dann wohl auf dasselbe hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fchle mich, als wenn ich langsam ausblute und das Leben mir langsam entschwindet, aber dass alles dauert mir viel zu lange, w\u00fcrde lieber wollen, dass es mir aus meinen Gef\u00e4\u00dfen rausplatzt, schnell und schmerzvoll, daf\u00fcr mit einem Ende, das mir gewiss ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor langer Zeit bin ich von einer Klippe gesprungen, ohne zu sehen was unten ist und bilde mir immer noch ein, dass ich galant im Wasser landen k\u00f6nnte, obwohl unter mir schon genau die spitzen Felsen zuerkennen sind, die mein Schicksal vorherbestimmen.<\/p>\n<p>Es macht mich wahnsinnig, es h\u00f6rt einfach nicht auf, weh zu tun und ich beginne zu hoffen, endlich unten anzukommen.<\/p>\n<p>&#8230; und schlafen kann ich auch nicht mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a9 Gerd Gross_ 12.11.2000_D<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bin noch nicht zu alt, zweifelsohne, trotzdem kann ich das Gef\u00fchl nicht verdr\u00e4ngen, so leer gelebt zu sein. 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